SPSI Art Museum Shanghai

Erstes Weiß-Wand-Projekt in einem chinesischen Museum Kollision zwischen den Künstlern Tan Ping und Luciano Castelli

Die Ausstellung „ CHINAS ABSTRAKTION UND DIE FIGURATION DES WESTENS“ im SPSI Art Museum Shanghai ist ein weiterer Dialog nach der Ausstellung im „National Art Museum of China, Peking“ zwischen den beiden Künstlern und deren Kulturen.

Allerdings musste das ursprüngliche Projekt, aufgrund äusserer Umstände, neu überdacht werden, verriet die Kuratorin Dr. Huang Mei: die Bilder von Luciano Castelli wurden nicht rechtzeitig ins Museum in Schanghai transportiert, doch ein Künstler wie er lässt sich davon nicht aufhalten, sondern inspirieren. Was Luciano Castelli unter „Druck“ versteht, formuliert er in seiner Frage an Tan Ping: „Ich habe die Idee, hast du den Mut?“

Drei Tage, 500 Meter Ausstellungslinie, eine Ausstellungsfläche von 1500 Quadratmeter, das sind die Stichwörter für die Zusammenarbeit von Tan Ping und Luciano Castelli bei dem ersten Weiß-Wand-Projekt. Die Initiative ist eine grosse Herausforderung in Bezug auf Malerei, für eine Konzeption im Raum, sowie für die Interaktion der beiden Künstler mit ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen, mit denen sie ein freies künstlerisches Werk schaffen.

Der künstlerische Werdegang von Tan Ping durchläuft viele Stationen vom Realismus zur Abstraktion, von seinem Studium in Europa bis zur Rückkehr nach China. Seine Leitgedanken bei der künstlerischen Arbeit umkreisen ständig zwei Kernpunkte: erstens die Reflexion der eigenen Tradition im Vergleichssystem der westlichen Gegenwartskunst und zweitens, von der Kunstlogik der chinesischen Gegenwartskunst und ihrem kunsthistorischen Kontext ausgehend, eine vom Westen distanzierte Methodik mit eigenen Ausdrucksmitteln finden.

Der Schweizer Künstler Luciano Castelli arbeitet in unterschiedlichen Medien: Malerei, Photographie, Film, Musik und Skulptur, die sich gegenseitig bedingen. In seinem Werk ist das Selbstbild ein Arbeitsschwerpunkt, Seine Werke lassen unterschiedlichste Eigenschaften, Emotionen und Rollen gegenständlich werden Er selbst ist der Akteur auf der von ihm jeweils gewählten Bühne, der Malerei, dem Film, oder der Photographie.


Kommentare aus dem Symposium zur Ausstellung:

Hr. Li Lei (Vizedirektor des Museums der Shanghaier Akademie für Malerei und Skulptur):
„Das Weiß-Wand-Projekt hat eine neue Seite in der chinesischen Kunstgeschichte aufgeschlagen. Zwei hervorragende Künstler mit großer visueller Lebenskraft integrieren sich gleichzeitig in einen bestimmten Raum, so was gab es in der chinesischen Kunstgeschichte noch nicht. Das hat auch den geplanten Dialog überschritten, und man kann sogar von einer geistigen Integration sprechen. Die philosophisch geprägte und lebensfreudige Präsentation in einem gemeinsamen Raum macht sie zu einem einmaligen und unwiederholbaren Ereignis. Die Praxis dieses Projekts hat metaphorische Bedeutung.“

Der Kunstkritiker Li Xu beschreibt sein Gefühl mit Liebe und Neid gegenüber dieser Ausstellung. Sie sei überraschend, einzigartig und professionell. „Die Entscheidung zu dieser installativen Arbeitsweise unter großem zeitlichen und psychischem Druck beweist die langjährigen künstlerischen Erfahrungen, der Zwischenfall führt zu einem Zusammenstoß von zwei unterschiedlichen Kunstsystemen – und schafft neue Effekte.“

Nach dem Ende dieser ephemeren Ausstellung werden die Wandgemälde wieder verschwinden.
„Von weißen Wänden zu weißen Wänden, dieser Projekt wird dann erst vollendet,“ so Tan Ping, „darin liegt gerade der Sinn dieser Ausstellung. Von nichts zu etwas, von etwas zu nichts – das entspricht auch den Werteeinstellungen von positiven Energien.“
Xiao Gu, der Direktor der Shanghaier Akademie für Malerei und Skulptur hat dieses Projekt ermöglicht. Seine Bereitschaft, sich nicht nur auf etwas derart Ungewisses einzulassen sondern es auch mit voller Kraft zu unterstützen, zeichnet ihn als Visionär aus.